Ein kurzes Zögern, bevor ich etwas poste. Ein Innehalten. Und plötzlich die Frage: Muss das jetzt wirklich raus in die Welt? Ich nutze Social Media gern. Ich teile, zeige, erzähle, schreibe. Und doch ist in mir mit der Zeit ein leiser Widerstand gewachsen. Der Wunsch nach mehr Ruhe und Privatsphäre. Nach Momenten, die einfach nur mir gehören und den Menschen, die mir nahe stehen. Momente, die von anderen Menschen nicht sofort kommentiert oder bewertet werden sollen.
Dieser Blogbeitrag ist kein Abschied von Social Media und kein erhobener Zeigefinger - das möchte ich unbedingt betonen. Ich möchte darüber schreiben, was bleibt, wenn man anders teilt: leiser, bewusster und differenzierter.

Es gab eine Zeit, da war Social Media für mich wie ein offenes Tagebuch. Nicht strategisch, sondern intuitiv und absolut echt. Ich habe geteilt, was sich für mich gut angefühlt hat. Momente und Erlebnisse haben sich erst dann vollständig angefühlt, wenn ich sie sichtbar für andere geteilt habe. Das gehört sich schließlich so, als Bloggerin mit einem Social Media Account. Schöne Momente, kleine Ausschnitte aus dem Alltag, manchmal auch Tiefpunkte. Also zumindest so weit, dass ich sie teilen konnte. Teilen schaffte Nähe. Oder fühlte sich zumindest so an.
Erwachsenwerden hat meinen Blick allerdings verändert
Mit der Zeit hat sich mein Umgang mit Social Media allerdings leise verschoben. Es war kein radikaler Bruch. Ich habe mich auch nicht bewusst zurückgezogen. Es war schlichtweg ein unaufhaltsamer Prozess, der mit dem Erwachsenwerden kam. Aber auch Erdung und ein klares Gefühl dafür, was mir gehört und was nicht. Privatsphäre hat für mich nichts mit Verstecken zu tun. Privatsphäre ist eine Entscheidung und auch eine Form von Selbstfürsorge. Ich teile noch immer viel, vielleicht sogar mehr als andere. Aber die Art, WIE ich teile, ist eine andere geworden. Und damit auch meine Intention.
Der Moment, der mich wachgerüttelt hat
Rückblickend gab es einen einzigen, kleinen Augenblick, der mich innehalten ließ. Ich saß mit Freundinnen zusammen und merkte, dass ich nichts mehr zu erzählen hatte. Nicht, weil nichts passiert war, sondern weil sie bereits alles über Social Media verfolgt haben. Sie wussten, welche Erlebnisse und Momente mich bewegt haben. Sie hatten es online gesehen in meinen Stories, meinen Posts und in meinen Videos. Sie hatte Momente gesehen, die ich eigentlich viel viel lieber in einem persönlichen Gespräch erzählt hätte. Das hat mich traurig gemacht. Das Teilen hat plötzlich das Erzählen ersetzt. Gespräche brauchen Raum und Nähe. Sie leben davon, dass man sich bewusst dafür entscheidet, jemandem etwas anzuvertrauen.
Die Illusion von Nähe
Learning Nr. 1: Social Media vermittelt keine Nähe. Es ist oft nur eine Illusion. Menschen glauben, sie wüssten, wie es dir geht, was du tust, was dich bewegt und was dich ausmacht, weil sie Ausschnitte sehen, mitlesen und reagieren. Nähe entsteht aber eben nicht durch Informationen über Social Media, sondern durch Beziehung und Kontakt. Durch tief gehende und wertvolle Gespräche, die nicht öffentlich sind.
Natürlich teile ich nach außen vor allem die leichten, positiven Momente auf Social Media. Das, was schön aussieht: Urlaube, Feste, Konzerte. Meine Wunden, meine Zweifel und meine tiefen Gefühle gehören nicht ins Internet. Sie gehören zu Menschen, die mir nahestehen. Zu denen, die mich kennen, einordnen und halten können und fester Bestandteil meines Lebens sind. Nicht zu Menschen, die mir folgen. Also, ja, ich möchte nach außen die beste Version meiner selbst zeigen. Nicht aus Unehrlichkeit, sondern aus Selbstschutz. Sich öffentlich verletzlich zu zeigen, macht angreifbar. Gefühle werden bewertet und aus dem Kontext gerissen. Diese Erfahrung verändert, wie offen man sein kann und möchte. Ich möchte die volle Kontrolle haben.
Verantwortung übernehmen
Learning Nr. 2: Bevor ich andere Menschen auf Social Media zeige (in meinen Stories oder Posts) frage ich, ob sie damit einverstanden sind. Nicht jede Freundschaft und nicht jede Begegnung gehört ins Internet. Auch kleine Momente, die uns glücklich machen, können private Momente bleiben. Andere Menschen öffentlich sichtbar zu machen, ohne zu fragen, nimmt ihnen die Kontrolle über ihre eigene Geschichte. Eine Verantwortung, die man immer ernst nehmen sollte. Ich bin mir absolut bewusst, dass ich nie nur mich selbst teile. Ich teile andere Menschen, Beziehungen, Familien, Freundschaften. Menschen, die es sich vielleicht nicht ausgesucht haben, Teil eines Social Media Beitrags zu sein. Erwachsenwerden bedeutet für mich also auch, diese Verantwortung zu sehen.
Weniger erklären, mehr bei sich bleiben
Learning Nr. 3: Nicht jeder Moment braucht ein Publikum und nicht jede Krise eine Resonanz. Manche Dinge können erst dann Tiefe bekommen, wenn man sie bewusst schützt, nicht sofort teilt, nicht übersetzt und nicht relativiert durch Reaktionen von außen. Mein Leben existiert auch dann, wenn es niemand kommentiert. Ich habe auch gelernt, dass ein Moment nicht an Wert verliert, nur weil er nicht dokumentiert wurde. Er gewinnt sogar an Bedeutung, weil er ganz bei mir bleibt und bei den Menschen, mit denen ich es persönlich teilen wollte.
Und, klar: Je mehr man teilt, desto größer wird auch der Druck, konsistent, erreichbar und nahbar zu bleiben. Liefern, liefern, liefern. Und eine Version von sich bedienen, die erwartbar und wieder erkennbar ist. Ich wollte nicht immer mit denselben Dingen identifiziert und mit anderen Menschen aus dem Internet verglichen werden. Weniger zu teilen bedeutet nämlich auch, sich bewusst dem Druck zu entziehen und sich verändern zu dürfen, ohne es immer erklären und sichtbar machen zu müssen.
Social Media als Fenster, nicht als Tagebuch
Die Menschen sehen etwas von mir, aber nicht alles. Sie dürfen durch das Fenster schauen, aber nicht das gesamte Haus betreten. Ich teile Essenzen statt Details, Gedanken statt Rohzustände, Erkenntnisse statt Schmerz. Ich zeige Nähe, ohne mich komplett nackig zu machen. Das ist keine Distanz, sondern eine Grenze, die ich ziehe. Seitdem ich auf Social Media weniger teile (oder anders teile), bleibe ich mehr bei mir selbst. Es bleibt die Verantwortung für das, was ich zeige und für das, was ich ganz bewusst schütze. Kurzum: Schutz für mich und für die Menschen, die Teil meines Lebens sind, ohne Content sein zu wollen. Es geht nicht darum, aufzuhören zu teilen, sondern genau zu wissen, wie, wo und mit wem.
Alles Liebe und bis zum nächsten Mal! Deine Mareike ♥
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