Alleine sein (können): Zeit für mich selbst

16.05.2019
Meine einzige Sorge, als ich von zu Hause ausgezogen bin, war, dass ich mich alleine und einsam fühlen könnte. Dass ich traurig sein werde, weil ich nicht mehr so am Familienleben teilhaben kann, wie es zuvor einst der Fall war. Dass es allerdings auch ganz anders kommen könnte, habe ich niemals in Erwägung gezogen. Warum auch? Ich bin Familienmensch durch und durch und genieße es sehr, in Gesellschaft zu sein. Nun wurde ich aber auch immer mehr mit den Vorzügen des Alleinseins "konfrontiert". Eine interessante Erfahrung, die ich gerne mit euch teilen möchte. Vor allem auch, weil die Vorzüge des Alleinseins zu Beginn nicht 100% in Einklang mit meiner Beziehung waren.


Oft fühle ich mich in meinem eigenen Alltag gefangen. Nun ja, es ist eben immer dasselbe: Ich stehe morgens um 04:45 Uhr auf, beginne um 07:00 Uhr zu arbeiten, bin um 17:15 Uhr zu Hause, mache Sport und bereite meine Mahlzeiten für den nächsten Tag vor. Meistens ist es zu diesem Zeitpunkt bereits 20:00 Uhr. Ich werde müde, gammel mit meinem iPhone oder dem MacBook auf dem Schoß im Bett und schlafe irgendwann später ein. Tag ein, Tag aus. 5 Tage die Woche, 4 Wochen im Monat. Mein Alltag und der damit verbundene Rhythmus machen mich müde. Ich bin antriebslos und faul und suche vergeblich nach Motivation und Energie. Dann sind da noch meine Freunde, die ich nicht vernachlässigen möchte - auch wenn es sich oft nicht vermeiden lässt. Und zu guter Letzt komme ich. Ich, mit meinen eigenen Interessen, Sorgen und Bedürfnissen. Für alles ist gesorgt - nur ich komme irgendwie bei allem zu kurz. Das klingt egoistisch - ist es vielleicht auch! Ich habe jedoch irgendwann gelernt, dass ich Zeit für mich brauche, um meine Reserven wieder aufzuladen und für all die guten und schlechten Dinge, die mir im Alltag begegnen, gewappnet zu sein. Was ich also getan habe? Ich habe begonnen Verabredungen abzusagen, wenn mir gerade alles zu viel wurde. Eben mit genau dieser Begründung: Es ist stressig. Mir ist gerade alles zu viel. Ich wäre gerne alleine. Die Reaktionen darauf waren zu 100% positiv. Mir begegnete Verständnis und Unterstützung. Und ich? Ich war einfach nur enorm dankbar.

Ich habe also gelernt, dass ich nicht vorrangig anderen Leuten gerecht werden sollte, sollte an erster Stelle nur mir. Dass ich Zeit für mich benötige, um Energie tanken zu können und all den Dingen nachzukommen, die im Alltagsstress untergehen: meine Familie, meine Hobbys und der Haushalt. 


Mindestens ein Tag in der Woche gehört mittlerweile mir. Nur mir ganz allein. Manchmal ist es auch "nur" ein Vormittag, Mittag, Nachmittag oder Abend. Aber Fakt ist: diese Zeit nutze ich für Dinge, die nur mich allein betreffen. Ich nutze die Zeit dabei immer ganz unterschiedlich. Für Sport, für den Haushalt, der in den letzten Tagen vernachlässigt wurde oder für meine Blogplanung. Ich drehe die Musik laut auf oder lasse im Hintergrund eine Serie laufen. Aber manchmal mache ich auch einfach nichts. Ich liege dann ganz still auf meinem Sofa oder in meinem Bett. Ich führe Selbstgespräche, lese, bin euphorisch oder auch melancholisch. Und es fühlt sich so verdammt gut an. Ich bin mittlerweile richtig gerne alleine. Ach, was sage ich da! Ich liebe es! Eine Eigenschaft, die nicht jeder von sich behaupten kann.

Allerdings hat mich das Alleinsein auch schon vor einige kleine Hürden gestellt. Es musste z.B. viel Zeit vergehen, bis ich mich auf eine neue Beziehung einlassen konnte. Vorrangig, weil ich um das Alleinesein und meine Freiräume gebangt habe. (Natürlich vollkommen unbegründet, wie sich herausstellte.) Es schien zunächst, als würden hier Welten aufeinander treffen.  Mein Freund, der am liebsten alles mit mir teilen möchte. Ich, die sich gerne zurückzieht und alleine ist. Mein Freund ist happy, wenn ich nur in seiner Nähe bin. Wir müssen dabei nicht 24/7 aufeinander hängen und alle Aktivitäten miteinander teilen. Allein das Wissen, dass ich vor Ort bin, macht ihn glücklich. Ich dagegen ziehe mich gerne zurück und nutze die Zeit, die er in sein Hobby investiert, für meine eigenen Interessen und Bedürfnisse. Tür zu. Nur die Wohnung und ich. Sport, Haushalt, ein gutes Buch, Netflix und Kaffee. Ich mache es mir dann richtig gemütlich. Ich zelebriere das Alleinsein förmlich. Ich freue mich dafür aber auch umso mehr auf unser Wiedersehen und die Vorfreude und Aufregung, die ich dabei verspüre. Mittlerweile hat sich alles eingespielt. Wir harmonieren super, ganz egal, ob im Team oder einzeln ;) Es ist gar nicht so einfach, sich in einer Beziehung Freiräume zu schaffen, ohne den Partner dabei vor den Kopf zu stoßen oder ihm ein schlechtes Gefühl zu geben. Kommunikation, Verständnis und Kompromisse sind hier ein gutes Stichwort. 


Ich hoffe, diese Zeilen kommen nicht in den falschen Hals. Für mich ist die Entfaltung meiner Persönlichkeit in einer Beziehung einfach nur mindestens genauso wichtig wie die Zeit, die ich mit meinem Partner verbringe. Ich möchte mich nicht eingeschränkt fühlen. Ist das verständlich? Seid ihr auch gerne mal alleine oder genießt ihr es, rund um die Uhr in Gesellschaft zu sein?

Alles Liebe für Euch, Mareike ♡

1 Kommentar:

  1. Liebe Mareike, das ist absolut verständlich! Mein Alltag sieht ähnlich aus, ich stehecum 4:15 auf, bin um 7.30 Uhr auf der Arbeit, arbeite aber kürzer als Du, dennoch kommt nicht viel dabei raus, weil ich ca. 2 Std. Fahrtzeit täglich habe. Auch ich möchte Sport machen und andere Interessen pflegen und da muss man eben Prioritäten setzen. Auch ich sage Nein, wenn es mir zuviel wird und Zeit für sich selbst zu haben, ist enorm wichtig. Insofern teile ich Deine Einstellung voll und ganz. Hab ein erholsames Wochenende!

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