Fünf Bücher habe ich im Monat August gelesen. Und ich sage mal so: Es war wieder alles dabei ;) Von einem absoluten Highlight, das mich sprachlich und inhaltlich richtig beeindruckt hat, über eine Reihe, bei der ich mittlerweile unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht, bis hin zu Büchern, bei denen ich mich leider eher durch die Seiten gekämpft habe...
„Die zweitgrößte Liebe“ von Ruth-Maria Thomas war dabei ganz klar mein Highlight. Nach „Die schönste Version“ hatte ich schon hohe Erwartungen und wurde erneut nicht enttäuscht. „Revenge – Du sollst flehen“ hat mich als dritter Band der Mindf*ck Series wieder komplett abgeholt: spannend, kurzweilig und mit einem Cliffhanger, der natürlich direkt Lust auf Band 4 macht.
„Das Spiel“ von Aisling Rawle hatte dagegen einen etwas holprigen Start. Die Reality-TV-Thematik fand ich spannend, wirklich gepackt hat mich die Geschichte aber erst im letzten Drittel. Und dann wären da noch „Everything On Fire“ und „What He Doesn’t Know“: Während mich das eine Buch leider ziemlich enttäuscht hat, konnte mich das andere mit seinem gefühlvollen Schreibstil und den emotionalen Charakteren wieder deutlich mehr überzeugen.
Unterm Strich also ein ziemlich durchwachsener Lesemonat. Nicht jedes Buch kann ein Highlight sein und manchmal ist man von einer Geschichte begeistert, von der man es vorher gar nicht erwartet hätte. Wie die Bücher letztendlich abgeschnitten haben, gibt’s jetzt wie immer im Detail ◡̈
Die zweitgrößte Liebe von Ruth-Maria Thomas
🌟🌟🌟🌟🌟
Rezension: Was macht Herkunft mit uns? Welchen Einfluss haben Reichtum und Armut auf unser Leben? Diesen Fragen geht „Die zweitgrößte Liebe“ von Ruth-Maria Thomas nach. Schon „Die schönste Version“ hat mich beeindruckt, doch auch dieses Buch zeigt erneut, welches außergewöhnliche sprachliche Talent Ruth-Maria Thomas besitzt. Ihr Schreibstil ist ausdrucksstark, berührend und so bildhaft, dass die Figuren und ihre Emotionen förmlich greifbar werden. Sie erschafft Charaktere, die nicht nur Sympathie auslösen, sondern Ecken und Kanten haben und dadurch umso echter wirken. Michelle (Shelly) und Henry verbindet auf den ersten Blick wenig, außer einer intensiven Faszination füreinander. Während des Lesens habe ich mich immer wieder gefragt, ob Michelle Henry jemals so aufrichtig und innig geliebt hat, wie er sie geliebt hat. Vielleicht. Sicher ist für mich nur, dass beide etwas im anderen ausgelöst haben, das weit über eine gewöhnliche Beziehung hinausgeht. Besonders beschäftigt hat mich die Dynamik zwischen den beiden: Henry versucht immer wieder, aus Michelle einen „besseren“ Menschen zu machen, während sie selbst ihr eigenes Potenzial und ihren Wert kaum erkennen kann. Gerade diese Konstellation war für mich schwer auszuhalten und gleichzeitig unglaublich faszinierend. Ich mochte, dass ich meine Meinung über Michelle und Henry immer wieder ändern musste. Keine Figur bleibt eindeutig. Genau das macht ihre Beziehung so glaubwürdig.
„Die zweitgrößte Liebe“ ist ein kontroverses Buch, das lange nachwirkt. Es setzt sich mit Herkunft, sozialer Ungleichheit und den unsichtbaren Grenzen zwischen Menschen auseinander und regt immer wieder zum Nachdenken an. Ruth-Maria Thomas hat für mich erneut bewiesen, dass sie sprachlich wie literarisch zu den spannendsten Stimmen der Gegenwart gehört. Nach „Die schönste Version“ und „Die zweitgrößte Liebe“ würde ich jedes ihrer Bücher blind kaufen. Ich hoffe sehr, dass noch viele weitere Bücher folgen werden.
🌟🌟🌟,5
Klappentext: Lily wacht zusammen mit neun anderen jungen Frauen in einer künstlichen Anlage mitten in der Wüste auf. Bald treffen zehn Männer ein – falls sie den Marsch zu Fuß durch die Wüste überleben. Sie sollen sich zu Paaren zusammentun, jeweils eine Frau und ein Mann. Alle sind jung und schön, alle wollen der echten Welt eine Zeit lang entfliehen. Unzählige Kameras übertragen jede Bewegung, unsichtbare Producer geben Anweisungen und stellen Regeln auf, denen unbedingt Folge geleistet werden soll. Die Kandidat:innen treten in sinnentleerten Challenges gegeneinander an. Langsam verschwimmen die Grenzen zwischen Verlangen und Verzweiflung. Was muss Lily tun, um zu gewinnen? Welchen Preis zahlt sie dafür? Welche Allianzen schmiedet sie? Und was passiert mit den Verlierern, die nach und nach ausscheiden?
Rezenion: In „Das Spiel“ von Aisling Rawle geht es um eine Reality-TV-Show und ihre Teilnehmenden, die für mehrere Wochen gemeinsam in einem Haus leben und sich verschiedenen Challenges stellen müssen. Im Mittelpunkt steht Lily, die als Hauptprotagonistin durch die Geschichte führt. Ich bin leider nur sehr schwer in das Buch gekommen. Gerade zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass die Handlung kaum vorankommt und eher vor sich hinplätschert. Auch mit den Figuren konnte ich zunächst nicht wirklich warm werden. Die Teilnehmenden bleiben charakterlich relativ flach und wirken teilweise unnahbar. Gleichzeitig ist das natürlich ein Stück weit Teil des Konzepts: In der Show dürfen sie nicht über ihr Privatleben sprechen und wir lernen sie deshalb nur so kennen, wie sie sich vor den Kameras präsentieren (oder präsentieren wollen).
Interessant wird es vor allem dann, wenn die Grenzen zwischen dieser inszenierten Persönlichkeit und dem tatsächlichen Menschen immer mehr verschwimmen. Die verschiedenen Challenges bringen nach und nach psychologische Abgründe zum Vorschein und zeigen, was der zunehmende Druck mit den Teilnehmenden macht. Besonders im letzten Drittel nimmt die Geschichte endlich an Fahrt auf. Die Stimmung wird immer düsterer und auch Lilys Entwicklung wird zunehmend beklemmend. Gerade hier zeigt sich, wie sehr die Show sie verändert und welche psychologischen Folgen das Ganze für die Teilnehmenden hat. Das war für mich die größte Stärke des Buches: „Das Spiel“ wirft einen sehr kritischen Blick auf die Reality-TV-Welt. Es geht um Inszenierung, Voyeurismus, psychischen Druck und die Frage, wie weit Menschen für Aufmerksamkeit, Geschenke, Erfolg und eine Rolle vor der Kamera gehen. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto stärker verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Realität. Allerdings muss man dafür meiner Meinung nach einiges an Geduld mitbringen. Erst das letzte Drittel konnte mich wirklich packen. Davor fehlte mir über weite Strecken ein richtiger Spannungsbogen. Und auch Lily blieb mir lange zu unnahbar, um emotional wirklich mit ihr mitzufiebern.
Psychologisch also sehr interessant und vor allem gegen Ende wirklich packend, wenn man sich auf die langsame Erzählweise einlassen kann. Insgesamt hatte ich mir allerdings deutlich mehr Spannung und Dynamik erhofft. Für mich deshalb eher „so lala“...
Revenge - Du sollst flehen von S.T. Abby
(The Mindf*ck Series, Band 3)🌟🌟🌟🌟🌟
Klappentext: Lana Myers war schon immer eine Einzelgängerin. Bis sie FBI-Agent Logan Bennett begegnet. Er ist der erste Mann, den sie in ihr Leben lässt. Logan hat jedoch keine Ahnung, dass Lana nicht nur seine perfekte Freundin ist, sondern auch die Serienmörderin, die er jagt. Er weiß ebenfalls nicht, welch unaussprechliches Leid die Männer Lana angetan haben, die sie jetzt dafür büßen lässt. Stattdessen glaubt er, er müsste Lana vor dem berüchtigten »Boogeyman« schützen – einem Killer, der es besonders aufs FBI abgesehen hat und sich an Logan rächen will. Doch Lana braucht keinen Schutz, denn sie kennt schon lange keine Gnade mehr.
Rezension: An den Büchern der Mindf*ck Series mag ich besonders, dass sie unglaublich fesselnd und gleichzeitig so kurzweilig sind. Die Seiten fliegen nur so dahin. Band 3 habe ich tatsächlich an einem Tag ausgelesen. Und dank des Cliffhangers kann ich es jetzt schon kaum erwarten, direkt mit Band 4 weiterzumachen. Logan erlebe ich als unglaublich ehrgeizig, zielstrebig, aufmerksam, liebenswert und fürsorglich. Ich empfinde für ihn inzwischen so etwas wie Mitleid und frage mich immer mehr, wie sich die Situation am Ende zugunsten der beiden auflösen kann: Wie kann Lana für Gerechtigkeit und inneren Frieden sorgen und gleichzeitig eine Zukunft mit Logan haben? Auch Jake entwickelt sich für mich immer mehr zu einem spannenden Charakter. Ich war deshalb richtig froh, in diesem Band endlich mehr über ihn und seine Rolle zu erfahren. Gerade seine Entwicklung macht neugierig darauf, welche Bedeutung er im weiteren Verlauf der Geschichte haben wird. Die Verbindung mit Hadley hat mich dagegen noch nicht ganz überzeugt. Ihre Perspektive zu Beginn des Buches fand ich aber sehr aufschlussreich. Sie bietet einen spannenden Einstieg in den Band und eröffnet eine neue Sichtweise auf die Geschichte.
Kurz gesagt: Band 3 hat mich wieder unglaublich gefesselt und bestens unterhalten. Die Geschichte nimmt weiter Fahrt auf, die Charaktere werden immer interessanter und der Cliffhanger macht definitiv wieder Lust auf mehr. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Band 4 kann für meinen Geschmack gar nicht schnell genug kommen.
Everything on Fire von Kerry Downes
🌟🌟
Klappentext: Sam und Daisy sind seit der Uni beste Freundinnen. Als sie sich kennenlernten, war Daisy noch ein wildes, von Fleetwood Mac besessenes Mädchen, das aus den Yorkshire Moors stammte, während Sam ihre Freizeit mit Shoppingtouren und Ausgehen in Liverpool verbrachte. Als sie sich auf einer Holzbank im Garten ihres Lieblingslokals an Sams Hochzeitstag aneinander lehnen, ahnen sie nicht, dass sich ihre Wege kurz darauf zum ersten Mal trennen werden.
Während Sams Wunsch, Mutter zu werden, sie verzehrt und Daisys ungesunde Männerwahl sie immer wieder in unglückliche Beziehungen führt, verlieren die besten Freundinnen sich selbst aus den Augen – und einander. Mit jedem Fehltritt und ungewollten Verrat wird der Riss größer. Können sie das Band neu knüpfen, oder wird es für immer zerreißen?
Rezension: Ich habe Everything On Fire gekauft, weil mich der Klappentext direkt angesprochen hat. Das Thema Freundschaften in den 30ern ist in meinem Umfeld aktueller denn je. Vor allem dann, wenn sich die eigenen Lebensträume plötzlich in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Außerdem wird das Buch als Lektüre „für Fans von No Hard Feelings und Okaye Tage“ beworben. Da mir beide Bücher gut gefallen haben, war meine Neugier sofort geweckt. Auch das Cover finde ich ausgesprochen ansprechend. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hatte hohe Erwartungen. Leider konnte das Buch diese überhaupt nicht erfüllen. Ich habe mich von Beginn an durch die Geschichte und vor allem durch die für mich viel zu langen Ausschweifungen gekämpft. Als endlich die Hälfte geschafft war, wollte ich das Buch nur noch ungern abbrechen, in der Hoffnung, dass es mich vielleicht noch packen würde.
Dabei sind die Kernthemen durchaus wichtig und wurden grundsätzlich gut herausgearbeitet. Auf der einen Seite steht Sams unerfüllter Kinderwunsch, auf der anderen Daisys Suche nach dem richtigen Partner. Dazwischen liegen jede Menge Schmerz, Wut und Enttäuschung, die letztlich einen regelrechten Keil zwischen die beiden Freundinnen treiben. Ihre Freundschaft zerbricht immer mehr an den unterschiedlichen Lebensentwürfen und daran, dass beide zunehmend mit sich selbst und ihren eigenen Problemen beschäftigt sind. Gerade deshalb fand ich es sehr schade, dass die Autorin meiner Meinung nach viel zu häufig vom eigentlichen Thema abkommt und die Handlung an vielen Stellen unnötig in die Länge zieht. Immer dann, wenn eine Situation gerade an Spannung gewinnt, wird diese durch seitenlange Ausschweifungen wieder ausgebremst. Was eigentlich emotional hätte mitreißen können, verpuffte dadurch für mich immer wieder. Auch sprachlich war das Buch leider nicht meins. Die Sätze waren mir teilweise zu lang. Die einzelnen Kapitel hätten für meinen Geschmack deutlich kürzer sein dürfen. Eine Unterteilung in mehr Kapitel hätte der Geschichte meiner Meinung nach mehr Tempo gegeben und das Lesen angenehmer gemacht.
Die Botschaft des Buches ist hingegen eine, die ich sehr unterschreiben kann: Freundschaft braucht Verständnis, Kommunikation und vor allem Pflege. Gerade wenn sich Lebenssituationen und Wünsche verändern, muss man lernen, die andere Person trotzdem zu verstehen und ihre Entscheidungen nicht als Angriff auf das eigene Leben zu betrachten. Ich hätte Everything On Fire wirklich gerne positiver bewertet, gerade weil die behandelten Themen so relevant und emotional sind. Leider hat mich die Geschichte jedoch überhaupt nicht gefesselt und ich musste mich über weite Strecken regelrecht durch das Buch kämpfen. Für mich daher leider eine Enttäuschung.
What He Doesn't Know von Kandi Steiner
🌟🌟🌟🌟
Klappentext: Mein Ehemann will mich nicht mehr. Der erste Mann, den ich jemals geliebt habe, ist zurück und würde alles tun, um mich zu bekommen. Meine Ehe zerbröckelt schon seit Jahren. Ich weiß, dass mein fürsorglicher, liebevoller Ehemann noch irgendwo da drin ist, aber seit unser Leben auf den Kopf gestellt wurde, versteckt er sich hinter der Fassade eines anderen Mannes. Doch als Reese in die Stadt zurückkommt, um an der Schule zu unterrichten, an der ich arbeite, merke ich, dass ich meinen Schmerz vor dem Jungen, mit dem ich aufgewachsen bin, nicht verbergen kann. Der Mann, den ich geheiratet habe, oder der Mann, den ich verloren habe. Das ist die Entscheidung, die ich treffen muss.
Rezension: „A Love Letter to Whiskey“ hat mich damals so sehr begeistert, dass für mich schnell feststand, dass ich unbedingt weitere Bücher von Kandi Steiner lesen möchte. Nun sind doch einige Jahre vergangen, aber endlich war es soweit: „What He Doesn’t Know“ war mein zweites Buch der Autorin und entsprechend hoch war die Messlatte.
Erneut hat mich Kandi Steiners sehr detaillierter, gefühlvoller und tiefgehender Schreibstil überzeugt. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass sie für mich inzwischen auf einer Stufe mit Brittainy C. Cherry steht. Besonders gut gefallen haben mir die sehr schön ausgearbeiteten Charaktere. Charlie, Reese und auch Cameron lernt man über die rund 300 Seiten hinweg immer besser kennen. Vor allem Camerons Perspektive gegen Ende fand ich spannend, da seine Gedanken noch einmal einen ganz anderen Blick auf die bisherigen Geschehnisse ermöglicht haben. Und natürlich dürfen Jane und Edward, die Wellensittiche, nicht unerwähnt bleiben. 🦜 An einigen Stellen war mir die Geschichte vielleicht etwas zu dramatisch. Aber nun ja, es ist eben auch ein New-Adult-Roman. Gleichzeitig behandelt das Buch sehr emotionale Themen wie erste Liebe, Tod, Trauer und Verlust sowie emotionale Distanz und deren Folgen. Als jemand, der keinen Alkohol trinkt, ist mir aufgefallen, dass in schwierigen Situationen verhältnismäßig häufig zum Alkohol gegriffen wurde. Das ist allerdings mein ganz persönlicher Eindruck und hat keinen Einfluss auf meine Bewertung. Das Ende ist ein echter Cliffhanger und hat bei mir definitiv dafür gesorgt, dass ich Band 2 („What He Always Knew“) unbedingt lesen möchte. Jetzt hoffe ich nur, dass bis dahin nicht wieder mehrere Jahre vergehen müssen!
Auch wenn in diesem Lesemonat nicht jedes Buch ein Volltreffer für mich war, bin ich mit meiner Auswahl insgesamt ziemlich zufrieden. Manchmal entdeckt man ein neues Lieblingsbuch, manchmal versteht man den Hype nicht ganz und manchmal merkt man einfach, dass ein Buch und man selbst nicht zusammenpassen.... Jetzt bin ich jedenfalls gespannt, welche Geschichten im nächsten Lesemonat auf mich warten. Hoffentlich sind wieder ein paar echte Highlights dabei!
verwandte Beiträge
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Bitte beachte ab Mai 2018 die neue Datenschutz-Grundverordnung. Mit Absenden eines Kommentars und bei Abonnieren von Folgekommentaren stimmst Du der Speicherung personenbezogener Daten zu.