Seit 2021/2022 begleite ich die Rauhnächte bewusst. Für mich sind sie eine besondere Zeit: innehalten, Altes loslassen, neue Energie sammeln und Wünsche für das kommende Jahr formulieren. Natürlich ist es letztendlich jedem selbst überlassen, ob – und welche – Bedeutung man den Rauhnächten beimisst. Für mich haben sie sich zu einem festen Ritual entwickelt, das mir jedes Jahr Orientierung schenkt.

Jedes Mal bin ich dabei unglaublich aufgeregt. Schließlich begleitet mich dieser Wunsch ein ganzes Jahr lang. In den vergangenen Jahren habe ich daraus wertvolle Erkenntnisse gezogen. Manchmal hat mich der Wunsch herausgefordert, oft hat er mir aber auch viel zurückgegeben und mich dankbar auf das Jahr zurückblicken lassen. Hier habe ich über meinen Wunsch für 2024 geschrieben. Mein 13. Wunsch für 2025 hatte es allerdings in sich: Ich konsumiere nachhaltig, minimalistisch und bewusst.
Ganz ehrlich: Ich hatte mir etwas anderes erhofft. Irgendetwas Leichteres. Etwas, das sich einfacher anfühlt. Stattdessen bekam ich ausgerechnet meine größte Baustelle serviert. Schönen Dank auch. Das Universum hat es besonders gut mit mir gemeint. Im ersten Moment war ich enttäuscht. Und überfordert. Also habe ich mich hingesetzt und angefangen, den Wunsch greifbar zu machen. Was bedeutet das konkret für mich? Was möchte ich verändern? Wo will ich anfangen?
Ich wollte meinen Konsum einschränken, vor allem bei Kleidung und Büchern. Ich wollte ausmisten, Ballast loswerden und nur noch besitzen, was ich wirklich nutze und was mir einen Mehrwert bietet. Ich wollte meine Wocheneinkäufe besser planen, bewusster mit Lebensmitteln umgehen und endlich weniger wegwerfen. Zu oft hatte ich in der Vergangenheit Lebensmittel entsorgt, weil sie mir schlichtweg verschimmelt waren. Das sollte sich ändern. Es waren viele Gedanken auf einmal. Viele Schritte. Aber zum ersten Mal hatte ich ein klares Ziel vor Augen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich schon sehr früh machen durfte, war diese: Es zählt nicht, alles richtig zu machen, sondern überhaupt hinzuschauen.
Ausmisten, verkaufen, loslassen
Zu Beginn des Jahres habe ich meinen Vinted-Account aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Zu diesem Zeitpunkt war ich dort fast ein Jahr lang inaktiv gewesen. Ich habe überwiegend Kleidung eingestellt, vereinzelt auch Bücher – und ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber die Verkäufe waren teilweise ein regelrechter Selbstläufer. Es lief wie am Schnürchen.
Parallel zu meinem Jobwechsel habe ich nicht nur mein Leben, sondern auch mein Ankleidezimmer aufgeräumt. Ich bin unfassbar viel losgeworden und habe sehr gute Einnahmen erzielt. Bis zum Jahresende 2025 habe ich konsequent ausgemistet, verkauft und reduziert. Der anschließende Umzug hat mir zusätzlich Anlass gegeben, noch radikaler auszusortieren. Dafür war ich auch auf Kleinanzeigen aktiv.
Das Verkaufen – insbesondere auf Vinted – hat mich zeitweise wirklich an meine Grenzen gebracht. Nachrichten, Verpacken, Versenden, Nachfragen. Man könnte fast sagen, ich habe das Spiel „Vinted“ einmal komplett durchgespielt. Meine Tipps und Tricks dazu habe ich übrigens gesondert zusammengestellt. Aber ich kann rückblickend auch sagen: Es hat sich vollends gelohnt. Mit jedem Teil, das gehen durfte, wurde mir klarer, wie sehr Besitz auch mentalen Raum einnimmt. Weniger Dinge bedeuten weniger Entscheidungen, weniger Unruhe und weniger Druck. Ich habe gemerkt, dass ich kaum etwas vermisse. Im Gegenteil. Der gewonnene Platz, sowohl im Außen als auch im Innen, fühlt sich befreiend an und schenkt mir eine neue Leichtigkeit im Alltag. Merke: Was wir loslassen, macht Platz für das, was bleiben darf! ◡̈
Konsumstopp & Bargeld-Experiment
Parallel dazu habe ich mir selbst ein kleines Kaufverbot auferlegt. Keine neuen Bücher (ausgenommen Vorbestellungen), sämtliche Shopping-Apps flogen vom Handy, um die Hürde bewusst höher zu legen. Außerdem habe ich Zahlungen fast ausschließlich bar erledigt. Ist euch eigentlich bewusst, wie schnell man die Karte zückt? So praktisch Apple Pay auch ist – das Bezahlen fällt damit einfach leichter. Ich habe mir wöchentlich (wenn nötig) einen festen Betrag ausgezahlt und davon gelebt. Und was soll ich sagen: Es hat wunderbar funktioniert. Ich habe ein ganz anderes Gefühl für Geldbeträge bekommen. Ja, manchmal mussten Menschen an der Kasse warten, weil ich mein Kleingeld mühsam zusammengezählt habe. Aber auch das haben alle überlebt.
In diesen beiden Bereichen – Verkaufen und bewusster Konsum – habe ich meine größten Fortschritte gespürt. Darauf bin ich unfassbar stolz und dankbar. Zum Jahresende (und ehrlich gesagt auch aktuell) schwächele ich etwas. Aber das ist okay. Ich möchte nicht zu streng mit mir sein. Kleine Ausreißer dürfen sein, solange ich wieder die Kurve bekomme. Denn mal ehrlich: Wir brauchen so viel weniger, als wir oft glauben. Zwischen Impuls und Handlung liegt die größte Freiheit.
Die größte Baustelle: Lebensmittel
Deutlich schwerer gefallen ist mir alles rund um Lebensmitteleinkäufe und -verschwendung. Ich bin ehrlich: Ich habe mich damit vermutlich zu wenig intensiv auseinandergesetzt. Bei Fleisch und Eiern habe ich auf die Haltungsform geachtet – das hat insgesamt gut funktioniert, auch wenn längst nicht so konsequent, wie ich es mir gewünscht hätte. Saisonales Obst und Gemüse? Leider weniger gut umgesetzt als geplant. Regional einkaufen? Ebenfalls ausbaufähig. Lebensmittel nicht zu verschwenden hat je nach Lebensphase mal besser und mal schlechter funktioniert. Inzwischen sind wir zusammengezogen und müssen uns neu sortieren.
Gerade im Bereich Lebensmittel habe ich gelernt, dass Veränderung weniger mit Willenskraft und mehr mit Struktur zu tun hat. Statt mich über Fehltritte zu ärgern, versuche ich, daraus zu lernen und neue Routinen zu entwickeln. Ein besser geplanter Einkauf, häufiger vorkochen und ein bewussterer Umgang mit Resten sind kleine, aber realistische Schritte, die mir helfen, Lebensmittelverschwendung langfristig zu reduzieren.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Und auch wenn nicht alles perfekt lief, bin ich mit der Erfüllung meines 13. Wunsches für 2025 zufrieden. Vor allem bin ich mir sehr bewusst geworden, was ich schaffen kann, wo meine Stärken liegen und wo ich mich noch verbessern möchte. Im Laufe des Jahres habe ich verstanden, dass Nachhaltigkeit kein Zustand ist, den man erreicht, sondern ein Prozess, den man lebt. Es geht nicht darum, alles richtig zu machen oder konsequent jedem Ideal zu entsprechen. Viel wichtiger ist es, bewusste Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Auch dann, wenn es nicht perfekt ist. Kleine Schritte, die langfristig Bestand haben, bewirken oft mehr als radikale Vorsätze, die man nicht durchhält.
Ich lasse mein Ziel nicht aus den Augen, auch wenn mit dem neuen Jahr 2026 bereits ein neuer Wunsch in meinen Fokus gerückt ist. Manche Themen dürfen länger bleiben. Nicht alles muss abgeschlossen sein, um wertvoll zu sein. Und vielleicht ist genau das die größte Erkenntnis aus meinem 13. Wunsch für 2025 ◡̈
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