Lesemonate August bis Dezember 2025

05.01.2026
Ja, ich gebe es zu: Im Herbst hat mich eine große Leseflaute erwischt. Dann kam die Zusage für die Wohnung, der Umzug – und ehe ich mich versah, war plötzlich schon Dezember. Jetzt bin ich zurück: mit einem geordneten, ausgemisteten Bücherregal und frischer Motivation für ein erfolgreiches Lesejahr 2026. Bist du bereit? 


Heute dreht sich hier also alles um die Bücher, die ich von August bis Dezember 2025 gelesen habe. In dieser Zeit standen vor allem Coming-of-Age-Romane auf meiner Leseliste, ergänzt durch den neuen Thriller von Freida McFadden. Das sind meine Eindrücke und Bewertungen:

Bittersüß von Hattie Williams
🌟🌟🌟🌟🌟 

Klappentext: Charlie lebt ein Leben, von dem sie nach dem Tod ihrer Mutter nie zu träumen gewagt hätte. Sie arbeitet in London in dem Verlag, der bald das neue Buch des preisgekrönten Richard Aveling herausbringt. Als Charlie bei einer Zigarette im Regen mit dem dreißig Jahre älteren Richard zusammenstößt, ist sie überwältigt. Zum ersten Mal fühlt sie sich gesehen und ernst genommen. Was als filmreife Begegnung im Regen beginnt, entfaltet sich zu einer Affäre, die auf Macht, Kontrolle und Schweigen beruht. Charlie wird verzehrt von der Liebe, dem Unverständnis ihrer Freunde, den Anforderungen von allen Seiten. Bis es sie zerreißt.

Bittersüß von Hattie Williams ist ein Buch, das starke Gefühle in mir geweckt hat. Es geht um Charlie, eine junge Frau Anfang 20, die ihre Mutter früh verloren hat und seitdem mit Traurigkeit und vielen negativen Gedanken kämpft. Charlie ist auf der Suche nach Liebe und Bestätigung und rutscht dabei in eine schwierige Beziehung mit einem bekannten Autor. Und obwohl Charlie weiß, dass diese Beziehung nicht gut für sie ist, dominiert der starke Wunsch in ihr, geliebt zu werden.

Rezension: Das Buch beschreibt sehr eindrucksvoll, wie sich eine toxische Beziehung entwickelt und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. Die Selbstzweifel und inneren Kämpfe, die sie durchlebt, waren für mich gut nachzuvollziehen und haben mich oft sehr berührt. Ich habe regelrecht mit Charlie mitgefühlt, aber manchmal wollte ich sie auch am liebsten schütteln. Charlies Freunde, Eddy und Ophelia, spielen eine wichtige Rolle. Sie sind die einzigen, die ihr wirklich helfen und sie unterstützen. Diese Freundschaft hat mich unheimlich bewegt. Es war schön zu beobachten, wie die beiden Charlie in dieser Zeit beistehen.
Der Schreibstil von Hattie Williams hat mich wunderbar mitgerissen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe es zwischenzeitlich wirklich bedauert, dass ich keine Zeit hatte, es am Stück durchzulesen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ein kleiner Kritikpunkt sind die (für meinen Geschmack) zu langen Kapitel.

Insgesamt habe ich Bittersüß als ein sehr intensives und emotionales Buch wahrgenommen. Es geht um Liebe, Selbstfindung und die schwierigen Dinge, die man in Beziehungen durchlebt. Das Buch regt zum Nachdenken an und berührt auf einer tiefen Ebene. Wer Geschichten mag, die die Echtheit von Gefühlen und Beziehungen zeigen, wird Bittersüß lieben.

Hero von Katie Buckley
🌟🌟

Klappentext: Sie ist Kellnerin, er ist Chefkoch. Früher waren sie befreundet, aber jetzt sind sie verliebt und leben zusammen in einem kleinen Appartement. Als er sie bittet, ihn zu heiraten, gerät Hero in Panik. Denn eines will sie auf keinen Fall sein: die Frau von. Daher nimmt sie sich sieben Tage Bedenkzeit, in denen sie sich schonungslos befragt: Wer ist sie, und was will sie?

Rezension: Von Hero von Katie Buckley hatte ich mir einen berührenden Roman über Selbstbestimmung und Liebe erhofft, schließlich geht es um Themen, die mich persönlich ansprechen und gerade für meine Altersgruppe eine große Rolle spielen. Umso frustrierender war es bereits, dass mir der Einstieg ins Buch merklich schwerfiel. Ein Lesefluss wollte einfach nicht entstehen. Der Schreibstil wirkte auf mich eher schwerfällig als flüssig und besonders das völlige Fehlen wörtlicher Rede sowie die ständigen Sprünge haben mich immer wieder aus dem Geschehen gerissen. Das war leider eine große Enttäuschung. Auch mit der Protagonistin Hero konnte ich nicht warm werden. Eine echte Verbindung ist für mich nicht entstanden, wodurch es mir schwerfiel, ihre Entwicklung nachzuvollziehen oder mich in ihre Gefühlswelt hineinzuversetzen. Gerade bei einem Roman, der so stark von persönlicher Orientierung und Zukunftsentscheidungen lebt, ist das ein entscheidender Punkt für mich. Unter dem Strich blieb leider zu viel Distanz. Dabei finde ich die Grundthematik des Buches eigentlich sehr spannend. Die Fragen nach Lebenswegen, Selbstbestimmung und Zukunftsentscheidungen sind absolut relevant und hätten großes Potenzial gehabt, mich emotional abzuholen. Insgesamt konnte mich Hero leider nicht überzeugen. Zwei Sterne vergebe ich dennoch: einen für die wichtige Thematik, die im Kern des Romans steckt und einen für das ausdrucksstarke Cover, das sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Liebe ist gewaltig von Claudia Schumacher
🌟🌟🌟🌟🌟

Klappentext: Juli wächst in einer Vorzeigefamilie auf: Die Eltern sind Rechtsanwälte, sie ist Klassenbeste. Doch in der Kleinstadtvilla herrscht das Grauen. Der Vater drillt die Kinder auf Leistung, prügelt sie und seine Frau. Juli wird älter, fordert ein Ende der Gewalt, deren Realität von der Mutter vehement abgestritten wird. Einzig ihre Geschwister und eine Maus geben Halt. Wie kann man sich befreien, wenn man weder den Eltern noch den eigenen Erinnerungen traut? Die Befreiung gerät zum Feldzug – gegen die Eltern und das eigene Ich. Drei Jahrzehnte folgen wir Juli, die mit aller Macht versucht, die Deutungshoheit über ihr Leben zu erlangen. Ein eindringlicher Roman über Verletzungen und eine mögliche Heilung, voller Originalität und Wärme.

Rezension: Eher zufällig bin ich auf „Liebe ist gewaltig“ gestoßen. Ein Titel, der sofort hängen bleibt und neugierig macht. Der Klappentext tat sein Übriges, also zog das Buch kurzerhand in meine Tasche und mit mir nach Hause ◡̈ Gleich vorweg: Der Name ist Programm.

Claudia Schumacher schreibt mit einer Direktheit, die mitten ins Mark trifft. Der Stil ist ungeschönt, roh und gleichzeitig feinfühlig genug, um die enorme Verletzlichkeit der Protagonistin Juli greifbar zu machen. Man möchte meinen, Liebe (besonders die einer Familie) sei bedingungslos und ehrlich. Doch Juli muss erfahren, dass es auch das Gegenteil davon gibt. Sie erzählt eine Geschichte, in der Gewalt und Narzissmus die Familie beherrschen und schließlich alles zerstören. Juli verändert sich im Laufe der Erzählung: Sie wächst, ringt mit sich, bricht auf, aber die Narben bleiben. Interessant war für mich, dass meine Verbundenheit zu ihr schwankte. Mal war mir Juli nah, mal fremd, was jedoch keineswegs störte. Diese Ambivalenz spiegelte ihre eigene innere Zerrissenheit wider. Die letzten hundert Seiten waren schließlich eine echte Achterbahnfahrt. Das Tempo nimmt zwischendurch ab, nur um dann umso vehementer wieder Fahrt aufzunehmen. Ich sah das Unheil kommen und hatte mir doch etwas anderes für Juli gewünscht.

Fazit: „Liebe ist gewaltig“ ist ein intensiver, erschütternder und zugleich zutiefst menschlicher Roman, der lange nachhallt. Ein Buch, das wehtut, aber gerade deshalb so wichtig ist.

Der Freund von Freida McFadden
🌟🌟🌟🌟🌟

Klappentext: Sydney Shaw hatte immer Pech mit ihren Dates. Bis sie Tom traf. Tom scheint perfekt: Er ist charmant, attraktiv und arbeitet als Arzt in einem Krankenhaus. Dann erschüttert der brutale Mord an einer Frau die Stadt. Die Polizei tippt auf einen Serientäter, der sich mit seinen Opfern zu einem Date verabredet, bevor er zuschlägt. Sydney sollte sich sicher fühlen. Schließlich hat sie Tom. Warum hat sie nur das Gefühl, dass mit ihm etwas nicht stimmt? Jemand beobachtet sie auf Schritt und Tritt. Sie muss der Wahrheit schnell auf die Spur kommen – sonst könnte sie das nächste Opfer sein …

Rezension: „Der Freund“ war mein zweites Buch von Freida McFadden und ich kann ganz klar sagen, dass es mir deutlich besser gefallen hat als „Wenn sie wüsste“. Den Einstieg empfand ich zunächst als etwas zäh, doch nach und nach kam ich immer besser in den Lesefluss. Ab einem bestimmten Punkt konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Im Vergleich zu „Wenn sie wüsste“ gab es für mich viele Wendungen und mehrere Überraschungsmomente, die ich nicht kommen sah. Vor allem der große Plot Twist am Ende hat mich vollkommen umgehauen und das Buch noch einmal auf ein ganz anderes Level gehoben. Sydney habe ich zu Beginn als sehr naiv und gutgläubig wahrgenommen. Im Verlauf der Geschichte musste ich mir jedoch eingestehen, dass ich sie vielleicht zu schnell verurteilt habe. Andere Charaktere habe ich dagegen sehr unterschätzt.

Insgesamt hat sich Freida McFadden mit diesem Buch als meine liebste Autorin im Bereich Psychothriller herausgestellt. Ihr Schreibstil, die Spannung und die unerwarteten Wendungen haben mich vollkommen überzeugt.

Monstergott von Caroline Schmitt
🌟🌟🌟🌟🌟

Klappentext: Eigentlich haben Ben und Esther alles, was sie brauchen: eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus und wichtige Funktionen in ihrer Gemeinde – dem göttlich funkelnden Safe Space, in dem der Pastor teure Sneaker trägt, seine Frau Highlights aus der Predigt auf Instagram teilt und Gott uns so sehr liebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, und so weiter.

Doch Ben hat ein Problem, das zwischen ihm und seinem göttlichen Vater steht. Niemand weiß davon, nicht mal seine Schwester Esther. Je verzweifelter er sich aus den Fängen der Sünde befreien will, desto mehr tyrannisiert sie sein Leben.

Esther hat ihr Leben lang gelernt, dass sich die Frau unterordnet. Das steht in der Bibel. Das ist Gottes Wille. Aber sie will endlich ernst genommen werden als eigenständiger Mensch und als Musikerin. Als sie einen verloren geglaubten, aber nie vergessenen Menschen von früher wiedertrifft, spürt sie einen Hunger nach der Welt da draußen, die gar nicht so verdorben wirkt.

Rezension: Schon bei Liebewesen habe ich geschätzt, wie offen Caroline Schmitt tabuisierte Themen anspricht: direkt, aber zugleich feinfühlig und sehr reflektiert. Dieser Eindruckt hat sich auch bei Monstergott bestätigt. Das Buch ist sehr ehrlich und hat mich beim Lesen gleichermaßen wütend wie traurig gemacht. Vieles wirkt auf den ersten Blick überspitzt, allerdings gibt es unzählige Menschen, die ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Die Autorin verleiht diesen Geschichten eine Stimme und allein das zeichnet das Buch aus. Besonders beeindruckt hat mich, dass sich die Autorin intensiv mit dem Thema Freikirchen auseinandergesetzt und umfassend recherchiert hat. Das verleiht dem Buch eine große Wahrheit.

Meine eigene Wut über die geschilderten Geschehnisse hat den Lesefluss stellenweise minimal gestört. Ich möchte aber auch betonen: Literatur darf und soll Emotionen auslösen, zum Nachdenken anregen und bewegen. Monstergott ist kein leichtes Buch, aber definitiv eines, das sich zu lesen lohnt.

Und welches Buch hast du zuletzt gelesen? Welchen Eindruck hat es hinterlassen? 
Alles Liebe, Mareike ♥

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